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Sektorenübergreifende Versorgung (süV): Warum es mehr braucht als neue Krankenhausstrukturen

Sektorenübergreifende Versorgung (süV): Warum es mehr braucht als neue Krankenhausstrukturen

Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen (süV) sollen insbesondere in ländlichen Regionen die medizinische Versorgung sichern. Doch wie können sie dazu beitragen, dass Menschen auch künftig gut und wohnortnah versorgt werden?

Was passiert, wenn in einer Region immer mehr Hausarztpraxen schließen, der Weg zum nächsten Krankenhaus länger wird und gleichzeitig immer mehr ältere Menschen auf medizinische und pflegerische Unterstützung angewiesen sind?

Für viele Regionen in Deutschland sind das längst keine theoretischen Fragen mehr. Die Krankenhausreform soll neue Möglichkeiten eröffnen, auf diese Herausforderungen zu reagieren. Eine davon sind sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen, kurz süV.

In der Diskussion geht es bislang häufig um Bettenzahlen, Leistungskataloge, Finanzierung und die Zukunft bestehender Krankenhausstandorte. Das ist wichtig. Aber mindestens ebenso wichtig ist die Frage: Welche Versorgung brauchen die Menschen in einer Region eigentlich und wie lässt sie sich gemeinsam organisieren?

Was sind sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen?

Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen bleiben rechtlich Krankenhäuser, erhalten jedoch einen angepassten Versorgungsauftrag. Sie sollen insbesondere in ländlichen und strukturschwächeren Regionen eine wohnortnahe Versorgung ermöglichen und können stationäre und ambulante Angebote miteinander verbinden.

Mit der Vereinbarung über den stationären Leistungskatalog und der im August 2026 geschlossenen Vergütungsvereinbarung wurden wichtige Schritte zur Umsetzung gemacht. Die Vergütungsvereinbarung tritt am 1. Januar 2027 in Kraft und gilt für den Zeitraum 2027 bis 2029. Doch wie die Einrichtungen künftig mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Pflegeeinrichtungen und weiteren Versorgungsangeboten zusammenarbeiten, ist damit noch nicht abschließend geklärt. Weitere Informationen beim GKV-Spitzenverband.

Und genau darin liegt die eigentliche Aufgabe.

Denn eine süV sollte nicht einfach ein kleineres Krankenhaus mit zusätzlichen ambulanten Angeboten werden. Vielmehr bietet sich die Möglichkeit, Gesundheitsversorgung von der Region her neu zu denken: Welche Leistungen werden vor Ort gebraucht? Welche Angebote gibt es bereits? Wo entstehen Versorgungslücken? Und wie können die unterschiedlichen Beteiligten besser zusammenarbeiten?

Gerade ältere Menschen mit mehreren Erkrankungen benötigen häufig nicht nur eine einzelne Behandlung. Sie brauchen hausärztliche Betreuung, manchmal einen Krankenhausaufenthalt, anschließend Rehabilitation oder Pflege. Eine süV könnte dabei helfen, diese Angebote besser aufeinander abzustimmen und Übergänge zu erleichtern.

Süv infografik

Beispiel Lörrach: Wie regionale Gesundheitsversorgung neu gedacht wird

Wie umfassend eine solche Neuorganisation sein kann, zeigt der Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg.

Dort werden mehrere bisherige Krankenhausstandorte in einem neuen Zentralklinikum zusammengeführt. Doch hinter dem sogenannten Lörracher Weg steckt mehr als ein Bauprojekt.

Ergänzend zum Klinikneubau sind auf dem Gesundheitscampus unter anderem ein Ärztehaus, ein Haus der Gesundheit sowie Rehabilitations- und Pflegeangebote vorgesehen. Ziel ist es, stationäre, teilstationäre und ambulante Versorgung enger zu verbinden. Die Kliniken des Landkreises Lörrach beschreiben das geplante Campuskonzept als zentralen Anlaufpunkt für unterschiedliche gesundheitliche Anliegen.

Das Beispiel macht deutlich, wie sich die Rolle eines Krankenhauses verändern kann. Es geht nicht mehr allein darum, Menschen an einem bestimmten Standort zu behandeln. Es geht darum, Verantwortung für eine Region zu übernehmen und medizinische Angebote dort verfügbar zu machen, wo sie gebraucht werden.

Auch Carsten Schmid greift diesen Perspektivwechsel in seiner Agenda 2035 auf. In einem LinkedIn-Beitrag zum Lörracher Weg beschreibt er süV als mögliche wohnortnahe Knotenpunkte regionaler Versorgungsnetzwerke. Seine Forderung: Die Planung sollte sich am Versorgungsbedarf der Bevölkerung orientieren und Krankenhaus, niedergelassene Versorgung und Pflege gemeinsam betrachten. Zum LinkedIn-Beitrag von Carsten Schmid.

Warum sektorenübergreifende Versorgung gemeinsame Daten braucht

So sinnvoll neue Versorgungsstrukturen auch sind: Im Alltag müssen sie funktionieren. Und dazu gehört, dass Informationen mit den Menschen mitgehen, wenn sie zwischen verschiedenen Einrichtungen wechseln.

Heute sieht die Realität häufig anders aus. Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen nutzen unterschiedliche IT-Systeme. Wird ein Patient aus dem Krankenhaus entlassen und anschließend durch einen ambulanten Pflegedienst betreut, müssen wichtige Informationen oft erneut erfasst oder aufwendig angefordert werden.

Für die Beteiligten bedeutet das zusätzliche Arbeit. Und für die Patientinnen und Patienten können wichtige Informationen fehlen, obwohl sie bereits an anderer Stelle dokumentiert wurden.

Hier setzt Interoperabilität an. Gemeint ist die Fähigkeit unterschiedlicher IT-Systeme, Informationen strukturiert auszutauschen und weiterzuverwenden.

Weiterlesen bei Heiko Mania: Interoperabilität
Zum Datenaustausch gehört auch ein gemeinsames fachliches Verständnis. Heiko Mania erläutert in seiner eCare-Ausgabe vom 11. Oktober 2026, warum FHIR durch standardisierte Terminologien und nachvollziehbare pflegerische Datenmodelle ergänzt werden muss, damit Informationen über Systemgrenzen hinweg ihre Bedeutung behalten.

Eine mögliche technische Grundlage ist ein FHIR-basiertes Clinical Data Repository (CDR). Darin können medizinische und pflegerische Informationen aus verschiedenen Anwendungen zusammengeführt und berechtigten Beteiligten zur Verfügung gestellt werden. FHIR ist ein internationaler Standard für den Austausch von Gesundheitsdaten.

Der Vorteil: Nicht alle Einrichtungen müssen dieselbe Software nutzen. Ihre Systeme müssen aber miteinander kommunizieren können.

Eine solche Datenbasis schafft außerdem Voraussetzungen für telemedizinische Anwendungen, digitale Dokumentation und KI-gestützte Unterstützung. Denn auch die beste Technologie kann nur dann sinnvoll helfen, wenn die benötigten Informationen verfügbar und zuverlässig sind.

Wie eng Versorgungsmodelle und gemeinsame Daten zusammengehören, beschreibt Carsten Schmid auch in seinem Beitrag zur geriatrischen Versorgung. Als Voraussetzungen für ein regionales Netzwerk nennt er einen FHIR-basierten Patientendatenraum, eine über Einrichtungsgrenzen hinweg fortgeschriebene Patientenakte und gemeinsame Pflege- und Behandlungsdokumentation. Zugleich betont er, dass es dafür klare Kooperations- und Verantwortungsmodelle braucht. Zum LinkedIn-Beitrag von Carsten Schmid.

Welche Rolle spielt die Pflege in sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen?

Wenn über neue Versorgungsmodelle gesprochen wird, stehen häufig ärztliche Leistungen und Krankenhausstrukturen im Mittelpunkt. Dabei ist die Pflege ein unverzichtbarer Teil einer funktionierenden sektorenübergreifenden Versorgung.

Pflegefachkräfte begleiten Menschen oft über längere Zeiträume und in ganz unterschiedlichen Situationen. Sie wissen, wie selbstständig jemand im Alltag ist, welche Unterstützung benötigt wird oder wie sich der Gesundheitszustand verändert hat.

Gerade beim Wechsel zwischen Krankenhaus, Pflegeeinrichtung und häuslicher Versorgung sind diese Informationen wichtig. Sie sollten deshalb genauso selbstverständlich in die weitere Versorgung einfließen wie medizinische Befunde.

Neue Versorgungsmodelle könnten der Pflege zudem zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, etwa bei der Koordination von Übergängen, der Begleitung chronisch kranker Menschen oder durch telepflegerische Angebote.

Damit das gelingt, muss die Pflege von Anfang an mitgedacht werden. Nicht erst, wenn neue Strukturen bereits beschlossen sind, sondern schon bei der Frage, wie die Versorgung einer Region künftig aussehen soll.

Weiterlesen bei Heiko Mania: Pflege ohne Grenzen
Welche neuen Aufgaben sich daraus für Pflegefachkräfte und Pflegemanagement ergeben können, vertieft Heiko Mania in seiner eCare-Ausgabe „Pflege ohne Grenzen“. Im Mittelpunkt stehen sektorenübergreifende Informationsflüsse, die Begleitung nach der Entlassung und die Verbindung von Präsenzpflege, Telepflege und digitalen Diensten.

Was entscheidet über den Erfolg einer süV?

Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen bieten die Chance, medizinische und pflegerische Angebote enger miteinander zu verbinden. Doch ein neuer Versorgungsauftrag allein schafft noch keine bessere Zusammenarbeit.

Dafür braucht es Menschen und Organisationen, die gemeinsam planen, klare Verantwortlichkeiten und digitale Systeme, die den Informationsaustausch unterstützen.

Bei nursIT beschäftigen wir uns genau mit dieser Verbindung von Versorgungsprozessen und Technologie. Unser Ansatz ist, digitale Infrastruktur so zu gestalten, dass unterschiedliche Einrichtungen und Anwendungen zusammenarbeiten können. Interoperable, FHIR-basierte Datenplattformen können dafür eine wichtige Grundlage schaffen.

Am Ende sollte die Frage deshalb lauten: Was soll eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung für die Menschen in ihrer Region leisten und was braucht es, damit das im Alltag funktioniert?

Häufige Fragen zu sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen (süV)

Was ist eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung (süV)?

Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen (süV) sind ein neuer Einrichtungstyp gemäß § 115g SGB V. Sie sollen eine wohnortnahe medizinische Basisversorgung sichern und akutstationäre Krankenhausbehandlungen mit ambulanten und pflegerischen Leistungen verbinden.

Welche Leistungen bietet eine süV an?

Der vereinbarte stationäre Leistungskatalog hat einen internistischen und geriatrischen Schwerpunkt. Im Mittelpunkt steht die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit weniger komplexem internistischem und geriatrischem Versorgungsbedarf. Ergänzend können ambulante und pflegerische Angebote eingebunden werden. Das konkrete Leistungsspektrum hängt vom jeweiligen Versorgungsauftrag ab.

Wie werden sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen finanziert?

Für die stationären Leistungen wurde im August 2026 eine bundeseinheitliche Vergütungsvereinbarung geschlossen. Sie gilt ab dem 1. Januar 2027 für den Zeitraum 2027 bis 2029. Die Finanzierung ambulanter und pflegerischer Leistungen richtet sich nach den jeweils geltenden Regelungen.

Welche Rolle spielt die Pflege in einer süV?

Pflege ist ein wichtiger Bestandteil der sektorenübergreifenden Versorgung. Neben der pflegerischen Betreuung innerhalb der Einrichtung kann sie insbesondere bei Versorgungsübergängen eine verbindende Rolle übernehmen, beispielsweise zwischen Krankenhaus, Pflegeeinrichtung und häuslicher Versorgung. Wie diese Zusammenarbeit konkret gestaltet wird, hängt vom regionalen Versorgungskonzept ab.

Warum ist Digitalisierung für süV wichtig?

Damit stationäre, ambulante und pflegerische Angebote zusammenarbeiten können, müssen relevante Informationen sicher zwischen den beteiligten Einrichtungen ausgetauscht werden. Interoperable IT-Systeme und gemeinsame Datenstandards wie FHIR können dabei helfen, Informationsverluste und doppelte Dokumentation zu vermeiden und Versorgungsübergänge besser zu organisieren.

Was ist der Unterschied zwischen einer süV und Hospital at Home?

Eine süV ist eine gesetzlich geregelte Versorgungseinrichtung, die stationäre Leistungen mit ambulanten und pflegerischen Angeboten verbinden soll. Hospital at Home bezeichnet dagegen ein Versorgungsmodell, bei dem geeignete Patientinnen und Patienten unter bestimmten Voraussetzungen eine krankenhausähnliche Behandlung zu Hause erhalten. Beide Konzepte können sich ergänzen, sind aber nicht gleichzusetzen.

Quellen und weiterführende Beiträge

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