Digitalisierung in der Pflege

smartXcare 2026: Vom Versprechen zur Versorgung

Geschrieben von nursIT Redaktion | 3. Oktober 2026, 05:51:07 Z

Ausgebucht, rund 150 Teilnehmende und ein Tag voller Diskussionen, Praxisbeispiele und neuer Perspektiven: Die smartXcare 2026 hat gezeigt, wie groß der Bedarf an konkreten Antworten für die Gesundheitsversorgung der kommenden Jahre ist.

Am 29. September kamen in der Seifenfabrik Dr. Thompson’s in Düsseldorf rund 150 Fachleute aus Kliniken, Pflege, Medizin, Kostenträgern, Wissenschaft und Industrie zusammen. Unter dem Motto „Vom Versprechen zur Versorgung“ ging es bewusst nicht um die nächste technologische Vision, sondern um eine sehr praktische Frage:

Was können wir heute tun, damit aus Digitalisierung, KI und neuen Versorgungsmodellen tatsächlich bessere Versorgung wird?

Die Veranstaltung war bereits im Vorfeld vollständig ausgebucht. Für uns ein starkes Signal: Die Themen, die auf der smartXcare diskutiert wurden, beschäftigen aktuell viele Menschen im Gesundheitswesen.

 

Keine Seifenblasen mehr


„Unser Motto lautet: Keine Seifenblasen mehr. Es geht nicht mehr darum, was technologisch möglich wäre, sondern darum, was wir jetzt in die Versorgung bringen können“, brachte nursIT-Geschäftsführer
Stoyan Halkaliev zum Auftakt den Anspruch der smartXcare auf den Punkt.

Gemeinsam mit Geschäftsführer Heiko Mania und Vertriebsleiter Carsten Schmid, der durch den Tag führte, eröffnete er die Veranstaltung.

Dabei war die Zusammensetzung der Teilnehmenden kein Zufall.

„Wir haben bewusst Klinikleitungen, Pflege, Medizin und Kostenträger zusammengebracht. Keine dieser Gruppen schafft den Wandel allein“, betonte Heiko Mania.

Genau dieser Austausch über Berufsgruppen, Organisationen und Sektorengrenzen hinweg prägte den gesamten Tag.

 

Von KI sprechen reicht nicht mehr


Auch die Keynote von Heinz Lohmann richtete den Blick auf das Machbare.

Seine zentrale Botschaft: Die Möglichkeiten für Veränderung sind vorhanden. Jetzt braucht es vor allem Mut, Entscheidungen und Menschen, die diese Möglichkeiten nutzen.

Gerade bei künstlicher Intelligenz gehe es darum, konkrete Probleme zu lösen, statt immer größere Erwartungen aufzubauen. Digitalisierung müsse dort ansetzen, wo sie Abläufe verbessert, Menschen entlastet und Versorgung tatsächlich verändert.

Statt auf den einen entscheidenden Impuls aus der Politik zu warten, könnten und müssten die Akteure im Gesundheitswesen selbst gestalten.

 

Ohne gute Daten bleibt auch die beste KI ein Versprechen

  

Eine Erkenntnis zog sich dabei nahezu durch das gesamte Programm: Neue Anwendungen sind nur so gut wie ihre Datenbasis.

Im Deep Dive „FHIR als Betriebssystem der Versorgung“, in den Diskussionen zu künstlicher Intelligenz und in konkreten Use Cases wurde deutlich, wie entscheidend strukturierte und interoperable Daten für die kommenden Jahre werden.

FHIR ist dabei weit mehr als eine zusätzliche Schnittstelle. Es schafft die Voraussetzung dafür, dass Informationen systemübergreifend dort verfügbar werden, wo sie tatsächlich gebraucht werden.

Oder wie Stoyan Halkaliev es zusammenfasste:

„Ohne strukturierte, interoperable Daten bleibt auch die beste KI am Ende nur ein Versprechen.“

Wie solche Ansätze bereits heute praktisch eingesetzt werden können, zeigten Sessions zu Smart Ward, Clinical Decision Support und KI-gestützter Pflegedokumentation.

Damit verschob sich die Diskussion bewusst weg von der Frage „Was könnte KI irgendwann können?“ hin zu: Wo schafft sie heute bereits einen konkreten Nutzen?

 

Neue Versorgung entsteht vor Ort


Dass die Krankenhausreform nicht nur auf Bundesebene stattfindet, zeigten die Beispiele aus den Regionen besonders deutlich.

Im Vision Talk unter der Moderation von Dr. Nicolas Krämer von HC&S AG ging es unter anderem um das Dreiland-Klinikum in Lörrach und die geplante Zentralklinik in Ostfriesland.

Beide Beispiele zeigen: Neue Versorgungsstrukturen müssen regionale Besonderheiten berücksichtigen. Was in einer Großstadt funktioniert, lässt sich nicht einfach auf ländliche Regionen übertragen.

Gleichzeitig verändert sich die Frage, wo Versorgung überhaupt stattfinden muss.

Dr. Severin Pöchtrager zeigte mit dem Angebot „Spital zuhause“ des Kantonsspitals Baselland, wie stationär gedachte Behandlung in geeigneten Fällen in das Zuhause von Patient verlagert werden kann.

Hospital at Home wird damit von einer theoretischen Alternative zunehmend zu einem konkreten Versorgungsmodell.

 

Versorgung endet nicht an Sektorengrenzen


Wie solche Modelle in Deutschland Teil der Regelversorgung werden können, stand auch im Mittelpunkt der abschließenden Fokus-Session.

Unter der Moderation von Dr. Dagmar Steiner von Doc Steiner Consult diskutierten:

  • Timo Töpfer, BARMER
  • Martina Thelen, Gesundheitsregion KölnBonn e.V.
  • Veronika Bernhardt-Wilts, Regionales Gesundheitszentrum Norden
  • Dominic Hillerkuss, Hospital at Home Deutschland e.V.

Dabei wurde deutlich: Neue Versorgung funktioniert nicht, wenn Krankenhaus, ambulante Versorgung, Pflege und weitere Leistungserbringer weiterhin unabhängig voneinander gedacht werden.

Gerade bei den sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen (SÜV) zeigt sich diese Herausforderung besonders deutlich.

Die Vergütungsvereinbarung schafft eine wichtige Grundlage und Planungssicherheit für stationäre Leistungen. Sie beantwortet aber noch nicht die entscheidende Frage, wie aus einzelnen Leistungserbringern tatsächlich ein regionales Versorgungsnetzwerk entsteht.

Ein neues Schild am bisherigen Krankenhaus reicht dafür nicht.

Eine SÜV entfaltet ihr Potenzial erst dann, wenn Krankenhaus, niedergelassene Versorgung, Pflege, Rehabilitation und Versorgung zu Hause verbindlich zusammenspielen.

Dazu gehören perspektivisch auch Hospital at Home, gemeinsame Datenräume und Finanzierungsmodelle, die Versorgungspfade statt einzelner Sektoren unterstützen.

 

Wandel ist vor allem eine Frage der Menschen


Bei all den Diskussionen über Technologie und Strukturen darf ein Punkt nicht aus dem Blick geraten:
Veränderung findet im Alltag von Menschen statt.

Wenn Klinikstandorte zusammengelegt, Abteilungen verlagert oder Leistungen nach Hause verlagert werden, verändern sich Aufgaben, Rollen und Arbeitsplätze.

Michaela Bender von TOPOS Personalberatung lenkte deshalb den Blick auf die Menschen, die diesen Wandel umsetzen müssen.

Welche Kompetenzen werden künftig benötigt? Wie lassen sich Mitarbeitende in Veränderungsprozesse einbeziehen? Und wie können Organisationen verhindern, dass Transformation nur auf dem Papier stattfindet?

Dasselbe gilt für Patient und Menschen in den Regionen.

Wenn sich das vertraute Krankenhaus verändert, entstehen verständlicherweise Fragen zu Erreichbarkeit, Notfallversorgung und Versorgungsqualität.

Neue Modelle müssen deshalb nicht nur medizinisch und wirtschaftlich funktionieren. Ihr Nutzen muss für die Menschen nachvollziehbar sein.

 

Daten, Strukturen und Menschen zusammendenken


Vielleicht war genau das die wichtigste Erkenntnis der smartXcare 2026:

Es gibt nicht die eine Technologie, das eine Gesetz oder das eine Versorgungsmodell, das die Herausforderungen im Gesundheitswesen allein lösen wird.

Es braucht das Zusammenspiel.

Strukturierte und interoperable Daten schaffen die technische Grundlage.

KI und digitale Anwendungen können Prozesse verbessern und Mitarbeitende unterstützen.

Neue Modelle wie Hospital at Home und sektorenübergreifende Versorgung können Behandlung anders organisieren.

Und am Ende braucht es Menschen und Organisationen, die bereit sind, diese Möglichkeiten tatsächlich umzusetzen.

Die Voraussetzungen dafür werden zunehmend geschaffen.

Jetzt geht es darum, aus ihnen Versorgung zu machen.

 

Danke für eine ausgebuchte smartXcare 2026


Dass die smartXcare 2026 vollständig ausgebucht war, hat uns besonders gefreut.

Noch wichtiger war für uns aber zu sehen, wie intensiv vor Ort diskutiert, nachgefragt und miteinander weitergedacht wurde.

Vielen Dank an alle Speaker, Partner, Aussteller, Unterstützer und natürlich an die rund 150 Teilnehmenden, die diesen Tag möglich gemacht haben.

Die smartXcare geht 2027 weiter.

Termin, Programm und weitere Informationen geben wir rechtzeitig bekannt.

Bis dahin nehmen wir vor allem eines aus Düsseldorf mit:

Die Möglichkeiten für eine neue Versorgung sind da. Jetzt müssen wir sie nutzen.